Ticketeinnahmen steigern: 5 Hebel, wenn die Bar wegbricht
Pro Tips

Die Nachfrage ist da. Das Paléo verkaufte 210'000 Tickets in 19 Minuten.
Trotzdem sitzen viele Schweizer Clubs und mittelgrosse Festivals auf einem Loch in der Rechnung.
Der Grund liegt nicht auf der Bühne. Er liegt an der Theke.
Die kurze Antwort
Die Getränkeumsätze in Schweizer Musikclubs sind laut SRF um 30 bis 40 Prozent eingebrochen, während die Kosten weiter steigen. Wenn ein Gast weniger konsumiert, muss ein grösserer Teil des Deckungsbeitrags aus dem Ticket kommen. Die fünf wirksamsten Hebel dafür sind: die Gebührenstruktur, die Vorverkaufsquote, die Käuferdaten, zusätzliche Ticketarten und der Auszahlungsrhythmus.
Was gerade wirklich passiert in der Schweizer Livemusik
Im Juni 2026 hat SRF Kultur die Lage zusammengetragen, und die Zahlen sind unangenehm konkret.
Die Bar- und Getränkeumsätze in Musikclubs sind um 30 bis 40 Prozent gesunken. Die Kosten des Open Air St. Gallen stiegen innert eines Jahres von 9 auf 13 Millionen Franken. PETZI vertritt über 200 Festivals und Clubs, bei denen die öffentliche Hand nur 0 bis 30 Prozent des Budgets deckt. Viele Clubs müssen sich zu 80 Prozent selbst finanzieren.
Gleichzeitig meldet die Spitze Rekorde. Paléo, Gurten und Open Air St. Gallen sind voll.
Unten wird es dünner. Das BScene in Basel hat 2025 pausiert, das Sudhaus Basel schliesst Ende 2026.
Das ist keine Nachfragekrise. Das ist eine Deckungsbeitragskrise.
Und ein Deckungsbeitrag lässt sich beeinflussen. Nicht komplett, aber deutlich mehr, als die meisten Veranstalter ausschöpfen.
Hebel 1: Zieh die Vorverkaufsquote hoch statt die Abendkasse
Jedes Ticket, das drei Wochen vorher verkauft ist, ist wetterfest, planbar und bereits Liquidität.
Jedes Ticket an der Abendkasse hängt an Regen, Konkurrenzprogramm und der Spontanlaune deiner Crowd.
Der Trend läuft in die falsche Richtung, Gäste kaufen immer später. Was dagegen hilft, haben wir in Warum Gäste Tickets immer später kaufen ausführlich beschrieben.
Die zwei schnellsten Massnahmen: klare Preisphasen mit echtem Enddatum, und ein Checkout, der auf dem Handy in unter einer Minute durch ist. Ein Grossteil deiner Käufe passiert unterwegs, oft aus einer Story heraus. Jeder zusätzliche Klick kostet dich Tickets.
Hebel 2: Behalte die Käuferdaten, sie sind dein günstigster Kanal
Wenn deine Tickets über einen Marktplatz laufen, gehört die Kundenbeziehung dem Marktplatz.
Du zahlst dann bei jedem Event erneut für Reichweite, die du eigentlich schon hattest.
Mit einem eigenen Ticketshop bleiben Käuferdaten bei dir. Daraus wird ein Verteiler, der beim nächsten Event nichts kostet:
Wiederkäufer gezielt anschreiben, statt breit Werbung zu schalten
Early Access für Stammgäste, das füllt die erste Verkaufswelle
Segmentieren nach Genre oder Reihe, statt allen alles zu schicken
Retargeting mit sauberem Tracking, damit du weisst, welcher Kanal wirklich Tickets bringt
Bei knapper Kasse ist das der Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ertrag. Er kostet dich Disziplin, kein Budget.
Hebel 3: Bau zusätzlichen Deckungsbeitrag ins Ticket ein
Wenn der Gast an der Bar weniger ausgibt, verlagere einen Teil der Wertschöpfung nach vorne, in den Kaufmoment.
Möglichkeiten, die in der Schweiz gut funktionieren:
Ein Supporter-Ticket, das freiwillig ein paar Franken mehr kostet, mit ehrlicher Begründung im Shop
Kombi-Tickets, zum Beispiel Eintritt plus Garderobe oder Eintritt plus erstes Getränk
Saison- oder Mehrfachtickets für wiederkehrende Reihen, das bindet und bringt Geld früher rein
Eigene Ticketarten für Partner und Sponsoren, sauber getrennt von den regulären Kontingenten
Wichtig ist die Reihenfolge: erst den Preis der Standardkategorie sauber setzen, dann ergänzen. Wie du dabei vorgehst, steht in Wie du den perfekten Ticketpreis für dein Event festlegst.
Hebel 4: Hol dein Geld früher, nicht erst nach dem Event
Liquidität ist bei kleinen Häusern oft das eigentliche Problem, nicht die Marge.
Wenn die Auszahlung erst Wochen nach dem Event kommt, finanzierst du Gagen, Technik und Personal aus der eigenen Tasche vor. Bei einer Reihe mit wöchentlichen Terminen summiert sich das schnell.
Frag deinen Anbieter zwei Dinge: In welchem Rhythmus wird ausbezahlt, und was passiert bei einer Absage. Beyond Tickets zahlt wöchentlich aus, damit du nicht auf dein eigenes Geld wartest.
Häufige Fragen zu Ticketeinnahmen und Deckungsbeitrag
Wie stark sind die Bar-Umsätze in Schweizer Clubs eingebrochen?
Laut der SRF-Recherche vom Juni 2026 melden Schweizer Musikclubs Rückgänge bei den Getränkeumsätzen von 30 bis 40 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten für Technik, Personal und Gagen. Für Häuser, die sich zu 80 Prozent selbst finanzieren, entsteht daraus eine Lücke, die über die Bar allein nicht mehr zu schliessen ist.
Soll ich einfach die Ticketpreise erhöhen?
Eine Preiserhöhung ist ein Hebel, aber selten der erste. Prüfe vorher, was du an Gebühren abgibst, wie hoch deine Vorverkaufsquote ist und wie viele deiner Gäste wiederkommen. Diese drei Stellschrauben verändern den Deckungsbeitrag, ohne dass sich dein Eintrittspreis am Aushang verändert. Erst danach lohnt sich eine saubere Preisrunde.
Was bringt ein eigener Ticketshop gegenüber einem Marktplatz?
Ein eigener Shop hält Branding, Checkout und Käuferdaten bei dir. Du bestimmst, wie die Gebühr ausgewiesen wird, du kannst Stammgästen Early Access geben, und du siehst in deinem Tracking, welcher Kanal wirklich verkauft. Ein Marktplatz bringt dafür eigene Sichtbarkeit mit. Für Häuser mit eigenem Publikum überwiegt der Whitelabel-Vorteil meist deutlich.
Lohnt sich das auch für einen kleinen Club mit 300 Plätzen?
Ja, gerade dann. Bei 300 Plätzen und wöchentlichen Terminen kommst du auf mehrere tausend Tickets pro Jahr. Ein Franken Unterschied pro Ticket und eine um zehn Prozentpunkte höhere Vorverkaufsquote sind dort keine Rundungsdifferenz, sondern zwei bis drei Monatsmieten. Kleine Häuser spüren jeden dieser Hebel schneller als grosse.
Fazit
Die Schweizer Livemusik hat kein Publikumsproblem. Sie hat ein Rechnungsproblem.
Solange die Bar den Abend mitgetragen hat, war das Ticketing eine Nebensache. Diese Zeit ist vorbei.
Wer jetzt weiss, was pro Ticket bei ihm bleibt, wie früh verkauft wird und wer schon einmal da war, kommt durch die Indoor-Saison. Weitere Ansätze dazu findest du in 10 Strategien, um deine Events restlos auszuverkaufen.
Rechne einmal ehrlich nach. Der Unterschied liegt selten im Line-up.
Schau dir an, was in deinem Ticketing steckt
Beyond Tickets ist Whitelabel-Ticketing aus der Schweiz. Dein Shop, dein Branding, deine Käuferdaten, wöchentliche Auszahlungen.
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